Ein abstraktes Bild malen – so gelingt es dir

abstraktes Bild malen

Abstraktes Bild malen

Vielleicht hast du auch schon diese wunderschönen abstrahierten Bilder von Landschaften, Menschen, Tieren und Objekten bewundert? Diese Bilder, die so viel mehr sind, als das reine Abbild der Realität. Reizt es dich, so etwas auch zu malen? Dann nur ran an Farbe und Pinsel – denn so schwer ist das gar nicht, wenn du einige Tipps befolgst 🙂

Fotorealistisch vs. abstrakt – Technik vs. Gefühl

Auf den ersten Blick mag es schwerer sein, ein total realistisches Abbild von etwas zu erschaffen: Ein Portrait zu malen, das aussieht, wie eine Fotografie. Oder eine gemalte Landschaft, die der “echten” Umgebung bis ins Detail gleicht.

Doch während das fotorealistische Malen vor allem “Handwerkskunst” ist, die du erlernen kannst, indem du dir verschiedene Techniken, Perspektive, etc. beibringen lässt, braucht das abstrahierte Bild vor allem eines:

DEIN Gefühl.

DEIN Erleben.

Und vor allem: DEINEN Mut, dieses Bild ins Abstrakte zu führen.

Wenn du schon einmal versucht hast, ein abstraktes Bild zu malen, wirst du vielleicht gemerkt haben, dass das erst einmal gar nicht so einfach ist, wie es scheint. Man meint ja immer, man malt dann einfach mal drauflos und dann wird das schon. Mitnichten!

Es sind hier nicht die Techniken, die es uns schwer machen.
Es sind unsere eigenen Blockaden, Ängste und Erwartungen, die uns aufhalten.

Abstraktes Bild malen: Das Bild entsteht, bevor es sichtbar wird

Wenn du ein abstraktes Bild malen möchtest – ganz gleich, ob du die Natur, ein Objekt, einen Menschen oder ein Tier malen willst – dann beginnt die Entstehung deines Bildes NICHT erst, indem du den Stift aufs Papier setzt. Es beginnt schon sehr viel früher! 🙂

Denn in erster Linie geht es erst einmal darum, dass du das, was du malen möchtest, in DIR wahrnimmst.

Wenn du die Natur malen möchtest, dann kann dir zum Beispiel ein achtsamer Spaziergang durch eben diese Natur im Vorfeld helfen, deine ganz persönlichen Eindrücke zu sammeln.

  • Was nimmst du wahr, während du gehst?
  • Was kannst du riechen, sehen, hören, fühlen, vielleicht auch schmecken?
  • Welche Dinge faszinieren dich besonders?
  • Bei was hüpft dein Herz?
  • Wo spürst die Lebendigkeit, Freude, Dankbarkeit, Erstaunen, Liebe?
  • Welche Gefühle kannst du wahrnehmen, während du durch die Landschaft gehst?

All das sind Dinge, die du später in dein Bild einbringst.

Ebenso funktioniert das, wenn du Menschen, Tiere, Objekte malen möchtest und dein Bild abstrakt werden soll. Achte auch hier auf deine Gefühle, deine Wahrnehmungen, dein Erleben. Was nimmst du alles in dir wahr, während du das “Objekt deiner Begierde” ansiehst oder dir auch im Inneren vorstellst?

Abstrakt malen: Von innen nach außen

Wenn du dann im nächsten Schritt ans Malen gehst, schließe vorher noch einmal kurz die Augen und gehe in dich.

Erinnere dich noch einmal intensiv an deine Erlebnisse und Wahrnehmungen.

Vielleicht gelingt es dir auch schon jetzt, manche Erlebnisse und Gefühle in Farben zu sehen – oder es kommen dir bestimmte Formen, Muster, Linien in den Sinn.

Nimm all dies ernst! Genau das sind nämlich die Dinge, die nachher dein Bild besonders und einzigartig machen – und die Verbindung zu dir selbst herstellen!

Wenn du dann malst, versuche, in deinem Gefühl, in deinen Erinnerungen und Wahrnehmungen zu bleiben.

Male achtsam, jeden Strich mit Bedacht. Aber vor allem immer im Einklang mit dir selbst!

Folge deinen Impulsen, so “unmöglich” sie sich für deinen Kopf auch erst einmal anfühlen mögen. Alles ist erlaubt – gerade ja dann, wenn es abstrakt werden darf 🙂

Wenn dir der Start ins abstrakte Bild schwer fällt

Ein kleiner Tipp von mir:

Wenn es dir schwer fällt, sofort ins Abstrakte einzusteigen, bleibe zu Beginn des Malens nah an der Realität dran.

Male das, was dir vertraut ist.

Male so, wie es dir Sicherheit und Orientierung gibt.

Dein Bild darf mit dir mitwachsen und sich ganz langsam, Schritt für Schritt, entwickeln. Du kannst es jederzeit von der realistischen Abbildung immer weiter ins Abstrakte führen.

Wenn du mit Aquarellfarben malst, beginne am besten mit zarten, verwaschenen Farben, dann kannst du später immer mutiger das Abstrakte mit kräftigeren Farben ansetzen.

Mit Acrylfarben hast du die Möglichkeit, mehrere Farbschichten problemlos übereinander zu legen und dein Bild immer wieder zu übermalen, bis es stimmig wird. Du kannst also gar nichts falsch machen!

Abstraktes Bild malen: Ein kleines Beispiel

Hier zeige ich dir ein kleines Beispiel aus meinem Art Journal. Ich habe draußen gemalt und mich dazu an einen kleinen See gesetzt.

Zuerst habe ich einen ausgiebigen Spaziergang unternommen und meine Umgebung dabei so achtsam wie möglich wahrgenommen. An diesen ersten sonnigen Frühlingstagen war es nicht schwer, den Spaziergang zu genießen und mich über die ersten farbigen Blümchen, kleinen Knospen und das warme Licht der Sonne zu freuen 🙂

Begonnen habe ich dann beim Malen ganz vorsichtig mit einem annähernd realistischen Abbild einiger Bäume. Den See, der in meinem Blick war, habe ich schon etwas mutiger in verschiedenen Farben angelegt.

Ich habe Stück für Stück mein Bild ergänzt. Langsam, mit zarten Farben erst, dann etwas kräftiger.

Und dann war er auf einmal da – der erste Impuls, von der “normalen” Abbildung wegzugehen, hin zu einem abstrakten Bild. Ich folgte meiner inneren Stimme und gab mich ganz meinen Gefühlen, meinen Erlebnissen und meiner Wahrnehmung hin. Frühlingsgefühle wurden in mir lebendig, die Bilder meines Spaziergangs- und da waren auf einmal so viele Farben, die unbedingt aufs Bild wollten!

Je mutiger ich malte, umso weniger machte ich mir Gedanken darum, ob nun jemand das Motiv erkennen würde oder ob es noch etwas mit der Realität um mich herum zu tun hätte.

Es wurde mir mehr und mehr wichtiger, mein EIGENES Erleben in dieses Bild zu legen.

Ich nahm das Bild mit nach Hause und vollendete es dort. Immer noch im Gefühl dieses Spaziergangs und der Freude an den Farben und Formen des Frühlings!

Sieh nur, wie es sich verändert und entwickelt hat:

Jetzt ist es ganz meins. Innen und außen sind in völliger Harmonie 🙂

Was ein abstraktes Bild ist – und was nicht

Ein abstraktes Bild malen bedeutet nicht, irgendetwas aufs Bild zu bringen, was niemand mehr erkennt – und dem Bild dann irgendeinen Titel zu geben.

Es ist auch kein Bild, das jemand so gemalt hat, weil es „es nicht realistischer malen kann“.

Es ist ein Bild, das etwas von innen nach außen bringt. Ein Gefühl. Ein Erlebnis. Ein Thema. Bewusst oder unbewusst gemalt.

Es geht darum, dass du dich im Malen frei fühlen darfst und dass dein ganz eigenes Bild entstehen darf.

Es geht darum, dass dieses Bild, das da entsteht, DIR entspricht und das widerspiegelt, was dir wichtig ist, was in dir ist.

So entsteht eine einzigartige Verbindung zwischen dir und dem Bild. Und dein Bild erhält Ausdruck, eine Stimmung, die für die Betrachter wahrnehmbar, aber nicht in Worten greifbar ist.

Und so entwickelt sich nach und nach auch dein ganz eigener Stil.

Was du dazu brauchst?
Eigentlich nur den Mut, deiner inneren Stimme zu folgen und auf deine Intuition, deine Gefühle zu vertrauen.

Ein abstraktes Bild malen ist ein wundervolles Erlebnis, weil es dir unendlich viel Freiheit gibt. Alles ist erlaubt, es gibt kein Richtig oder Falsch. Du kannst all das, was jetzt gerade in dir präsent ist, in dieses Bild legen.

Ich wünsche dir viel Freude dabei!!

Happy Painting!

Deine

Clarissa

PS: Wenn du deine Kreativität noch weiter entfalten möchtest, hilft dir eine tägliche kreative Routine. Art Journaling ist super, um am Malen dranzubleiben und deinen ganz eigenen Stil zu festigen. Auch fürs abstrakte Malen und Experimentieren ist das Journaling ideal 😀 Lies hier mehr zu meinem Happy Art Journaling Kurs für Einsteiger!

3 Kommentare bei „Ein abstraktes Bild malen – so gelingt es dir“

  1. Hallo Clarissa 🙂
    Schon lange verfolge ich deinen Blog und deine tollen Kreativ-Tipps und Videos. Happy Eulen sind bei mir einige eingezogen 😉 Jetzt habe ich mich auch an einem abstrakten Bild versucht – es ist noch nicht ganz so geworden, wie ich mir das vorgestellt hatte, aber es hat großen Spaß gemacht! Das werde ich sicherlich noch öfter machen, also vielen lieben Dank für deine tollen Tipps dazu!
    Vielleicht magst du mich ja auf meiner Homepage mal besuchen – ich würde mich freuen!
    Liebe Grüße,
    Sandra

  2. Hallo Clarissa..so ein Art Journal finde ich klasse..kannst du eins empfehlen in fas ich auch mit Awuarellfarbe malen kann..und das sich nicht so wellt bei Nässe?
    Danke dir und liebe Grüsse.. Gaby

    1. Hallo Gaby! Ja, so ein Art Journal ist wunderbar, das kannst du auch überallhin mitnehmen! Ich habe mehrere, aber am liebsten eines im A5-Format, das lässt sich gut in jede Tasche stecken 🙂
      Schau mal hier, da habe ich alle Art Journas die ich gut finde, aufgelistet: https://clarissa-hagenmeyer.de/welches-buch-als-art-journal/
      Unter anderem ist da auch das Hahnemühle Art Journal verlinkt, das ist das kleine schwarze, das ich besonders gerne verwenden!
      Ganz liebe Grüße an dich! Clarissa

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