
Ich hatte meine Art Journals lange in der Schublade. Monate. Teils Jahre. Dabei wusste ich, wie wertvoll es war, regelmäßig in den Selbstausdruck zu gehen und einfach meine Gedanken, Gefühle, mein So-Sein malerisch festzuhalten. Wie oft wurde doch etwas sichtbar, konnte sich etwas ausdrücken, was zuvor in tieferen Schichten meines Selbst geschlummert hatte! Und doch: Ich habe so lange pausiert. Warum?
Mir wird bewusst, dass ich mich immer noch in Teilen selbst eingeschränkt hatte.
Zum Beispiel darin, dass ein Art Journal konstant ein Thema verfolgen muss: Ein Art Journal für Portraits – oder ein Art Journal rein für Tagebuch-artiges Malen meiner Erfahrungen.
Oder eingeschränkt darin, dass ich einem bestimmten Stil folgen musste.
Oder dass ich eben doch noch ein bisschen daran hing, dass die Bilder mir im Ergebnis gefallen sollten.
Nun habe ich komplett losgelassen.
Es ist mir egal, ob mein Art Journal konsistent ist in Motiven, Techniken und meinem Stil. Es ist mir auch egal, ob es fertig wird! Ich muss nicht zwingend alle Seiten füllen, um mit einem neuen Journal zu beginnen: Wenn ich spüre, ein neues Büchlein ist dran, beginne ich es. Vielleicht wird das alte irgendwann „fertig“ – vielleicht auch nicht. Völlig egal! Was ist, ist gut. Was nicht ist, ist auch gut.
Es mir auch egal, ob ich meine Bilder am Ende mag.
Ich muss meine Bilder nicht mögen. Ich möchte, dass sie mir entsprechen.
Ich möchte, dass sie mir etwas aufzeigen, etwas über mich erzählen können. Oder einfach dazu dienen, mich auszudrücken. Mich zu erleichtern, zu entspannen, mich in mich hinein zu vertiefen.
Alle dieses „Egal“ macht frei. Ich darf auch eine Seite nur ein bisschen bemalen. Ich darf mir kurz oder lang Zeit nehmen.
Ich bin völlig offen. Für das Unfertige, das Hässliche, das Eigenartige, das Befremdende.
So pausiere ich nicht mehr. Sondern bleibe tatsächlich dran an meinem Art Journaling Prozess. Und das ist so wertvoll!